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Lernen

Über Lebenslektionen und
prägende Gedanken

Es war eine meiner Lieblingsfragen: Was hätten Sie gern vor 20 Jahren gewusst. Eigentlich war es die Frage danach, ob man die Erfahrungen des Alters in einen Lehrsatz packen kann. Um es vorwegzunehmen: Die Antworten sind äußerst unterschiedlich. Die gemeinsame Nenner läge irgendwo „Mathematik“ (Gero von Randow) und „die Bedeutung von Selbstliebe“ (Scilla Elworthy). Peter Russel hätte gern gewusst, wie man Beziehungen führt, Friedhelm Mennekes wie wichtig der Aufenthalt im Ausland ist. Der analytische Weg läuft gegen die Wand.

Also werde ich ein paar Aussagen nennen, über die ich noch oft nachdenke: Dennis de Tray zum Beispiel meinte, das wichtigste was er in seinem Leben gelernt hätte, sei ein Rat seiner Mentoren gewesen, den er erst jetzt wirklich verstehe: Immer die großen Schritte zu versuchen. Grade dann, wenn der Schritt stimmig war, aber so groß, dass er sich in der Umsetzung mulmig gefühlt habe, habe er die wichtigen Dinge gelernt und die besten Erlebnisse gehabt. Wenn man seine Vita anschaut, weiß man, was er meint: Direkt nach der Uni ins Ausland, nach einigen Jahren Direktor der Worldbank verschiedener asiatischer Länder und „immer dort, wo seine Kollegen nicht hinwollten“, wie er heute sagt.

Oder Philipp Nessling, Vater einer Familie mit acht Kindern und auch beruflich sein Leben lang mit behinderten und nichtbehinderten Kindern beschäftigt. „Vor 20, 40 Jahren“ sagt er heute, „dachte ich noch, dass man Kinder erziehen muss“. Und dann lacht er. Kinder würden ihren Weg selbst gehen, meint er. Man müsse sie „nicht erziehen, sondern begleiten im Erwachsenwerden. Dass ist unsere Aufgabe als Erwachsene.“

Das führt ins Grundsätzlichere: Was Nicanor Perlas gesagt hat, kann ich hier kaum wiedergeben, möchte aber dringend empfehlen, sein Statement mindestens drei Mal anzuhören. Er versucht, in etwa vier Minuten den Kern seiner Lebensanschauung und Arbeit zu erörtern (beides ziemlich interessant). Unzulässig verkürzt geht es darum, über intensive Arbeit mit sich selbst einen neuen Referenzrahmen zu erzeugen, der nicht mehr an konkrete Identitäten gebunden ist. Das ermögliche eine spezifische Qualität von Begegnung, Kooperation und Gestaltung. Und das ist schon deshalb nicht pathetisch, weil Perlas ständig Sachen gelingen, die man ihm nicht zugetraut hätte. Wie gesagt: Man sollte das mehrmals anhören.

Dass eine solche Klarheit mit sich selbst notwendig ist, das würde vielleicht auch Jörg Gabbe sagen. Seine wesentliche Erkenntnis sei gewesen, dass er irgendwann verstanden hätte, dass nicht automatisch alle gut gehen würde. „Ich habe immer gedacht, wenn die Leute wissen was gut ist, würden sie das tun. Ich habe wirklich lange gebraucht, um diese Naivität zu verlieren.“ Vielleicht hat auch das, was Scilla Elworthy geantwortet hat, etwas damit zu tun: Sie verweist darauf, erst mit über fünfzig verstanden zu haben, wie wichtig die Akzeptanz des eigenen Wesens ist. Eine Anleitung gibt sie gleich dazu - und warnt, dass diese Übung „Dich eine Stunde am Tag kosten“ kann, und zwar „für die nächsten sechs Monate. Das meine ich ernst.“

Diese Notwendigkeit, sich und seine Erfahrungen so anzunehmen, wie sie sind, um überhaupt auf großer Ebene gestaltungsfähig zu werden, stellt auch Orland Bishop in den Vordergrund: Gewohnt abstrakt hergeleitet mündet er in einer Art rationalem Optimismus: „Things went wrong, but you are alive. So something worked.“

Irgendwie ist das alles doch gar nicht so verschieden..

 
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Was hätten Sie gern vor 20 Jahren gewusst?
Wer waren Ihre Vorbilder?
Welche Werke haben Ihr Denken verändert?
(andere haben wichtige Werke per Mail nachgereicht. Sie stehen bei den einzelnen Personen)

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