Lass die Alten reden.
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Worum es geht, was es soll

Nach tagesaktueller

Where is the knowledge that is lost in information? Where is the wisdom that is lost in knowledge?


T.S. Eliot

Presse sollte ich mir vermutlich Sorgen machen: Um einen sicheren Job. Um die Umwelt. Um meine Rente. Solange ich noch nicht auf die U30-Parties kann, darf ich mich glücklich schätzen. Noch jung und Elite. Bloß nicht alt werden in Deutschland.

Der gekündigte Generationenvertrag, die Rentenfinanzierungslücke, Pflegenotstand, Corega Tabs und Haftcreme: Wir haben damit nichts zu tun. Spätestens seit Rentnerschwemme zum Unwort des Jahres hochgehypt wurde, betrachten wir unser Verhältnis zu den Alten als geklärt.

die Gesprächspartner


Ich habe gesprochen mit Nicanor Perlas, der in den Philippinen eine Mikrokreditbank gegründet hat. Mit Peter Grünberg, der 2007 den Nobelpreis für Physik bekommen hat. Mit der Therapeutin Satsuki Ina, die Filme macht, um damit eine therapeutische Katharsis in Gang zu setzen. Mit Jochen Hörisch, der eigentlich Professor für neuere Germanistik ist, sich aber im Radio immer wieder zu Philosophie- und Zeitfragen äußert. Mit Dennis de Tray, der als Vizepräsident des Center for Global Development Konzepte für die Wirtschaft armer Staaten erarbeitet. Mit Georg Seeßlen, dem vermutlich bekanntesten deutschen Filmkritiker. Mit Scilla Elworthy, die international in Konfliktgebieten arbeitet oder britische Manager zu rituellen Waschungen empfängt. Und das waren noch lange nicht alle.

Es könnte einem auffallen, dass nicht alle so selbstbewusst und explizit auf das Wissen der älteren Generation pfeifen. Historisch wie im Kulturvergleich scheint das eher eine Ausnahme zu sein. Warum machen wir das? Weil wir Jungen glauben, alles selbst zu wissen? Weil diejenigen, die wirklich etwas zu sagen hätten, immer stiller werden? Weil wir Postmodernen nicht mehr daran glauben, dass es Antworten gibt, die universell gültig sind? Kann es sein, dass die Alten im Zweifelsfall keinen iPod bedienen können, aber trotzdem in fünf bis sieben Jahrzehnten Leben ein paar sinnvollere Antworten gefunden haben als wir in zwei? Es könnte sich lohnen, einmal zuzuhören.

So etwas ging mir vor einem Jahr auf dem Kirchentag durch den Kopf. Ich begann, Leute aus der älteren Generation mit der Handykamera zu interviewen und sie zu fragen, was sie bisher über das Leben gelernt haben. Auf der Konferenz „ich bin..ihr seid“ wurde daraus das Konzept für mentorenblog.de: Eine Webseite, die nicht Antworten liefern soll, sondern offenlegen, was am Rand der Medienbilder noch an Wissen schlummert. Und die das Ziel hat, ein Rauschen in das System zu bringen, einen Sprung in die allzuklare wissen-wir-alles-Scheibe der Lebensratschläge. Damit die Fragen wieder in den Fokus rücken und ein Austausch entstehen kann über alles das, was wir längst abgehakt haben, obwohl noch ganz andere Antworten möglich sein könnten.

Rund ein Jahr nach Beginn des Projekts gehen die Gespräche mir noch oft im Kopf umher (was mich besonders inspiriert hat, habe ich auf den Themenseiten zusammengestellt). Die Fragen, um die es ging, waren standardisiert, so dass die Antworten gegeneinander gestellt werden können. Fühlt Euch frei, einzelne Antworten anzuhören und in Beziehung zu setzen.

Außerdem interessiert mich der Kontrast, der mitschwingt, wenn man Senioren auf Youtube bringt:  Zwischen Schnelligkeit und Zeitlosigkeit, intimem Gespräch und Öffentlichkeit, Flexibilität und Standardisierung. Diese Kontraste sind für mich eng mit unserer Zeit verbunden: Sie stehen für die Fortschritte wie für das Verlorene, für eine historisch neue Nähe wie für eine historisch neue Distanz. Dieses Projekt mit den ruhigen Videos und langen Einstellungen älterer Leute ausgerechnet in das Medium der Handyclipgeneration zu verorten, kann man unzeitgemäß finden.

Wobei unzeitgemäß durchaus heißen kann, dass uns Zeitgemäßen etwas fehlt.


 

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..dass es auch eine mentorenblog-Seite auf  Youtube gibt? Dort könnt ihr einen Kommentar für das Projekt hinterlassen oder einzelne Videos finden und bewerten.

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